Sexualität, Achtsamkeit und Mitgefühl

Michael Breker • 1. Januar 2026

Eine Einladung zu mehr Präsenz, Wahrhaftigkeit und Verbundenheit

Sexualität ist ein zutiefst menschlicher Ausdruck von Lebendigkeit. Sie kann nährend, verbindend und heilend sein – und zugleich verletzlich, verwirrend oder mit Scham besetzt.



In der Verbindung mit Achtsamkeit und Mitgefühl eröffnet sich ein Raum, in dem Sexualität nicht funktionieren muss, sondern sein darf.


Dieser Beitrag ist eine Einladung, Sexualität weniger als Leistung oder Ziel zu betrachten – und mehr als Begegnung: mit Dir selbst und mit dem anderen Menschen.


1. Achtsamkeit: Im Körper ankommen

Achtsamkeit bringt uns vom Denken ins Spüren. In der Sexualität bedeutet das:

  • den Atem wahrzunehmen
  • Empfindungen im Körper zu erkunden
  • Tempo, Nähe und Distanz bewusst zu fühlen

Statt „Was sollte ich fühlen?“ entsteht die einfache Frage:
„Was ist jetzt gerade da?“

Achtsamkeit erlaubt, feine Signale des Körpers zu hören – Lust, Zögern, Freude, Müdigkeit. Alles darf auftauchen, nichts muss weggemacht werden.


2. Mitgefühl: Freundlichkeit mit dem, was wir erleben

Viele Menschen tragen alte Erfahrungen, Unsicherheiten oder Scham in ihrer Sexualität. Mitgefühl heißt hier:

  • nichts zu bewerten
  • sich selbst nicht zu drängen
  • innerlich freundlich zu bleiben

Mitgefühl schafft Sicherheit. Und Sicherheit ist die Grundlage für echte Öffnung.
Nicht nur dem anderen gegenüber – vor allem 
Dir selbst.

Ein mitfühlender innerer Satz könnte sein:


„So wie ich mich jetzt erlebe, ist es in Ordnung.“

3. Sexualität als Begegnungsraum

Wenn Achtsamkeit und Mitgefühl zusammenkommen, verändert sich der Charakter von Sexualität:

LeistungsorientiertAchtsam & mitfühlendZielgerichtetProzessoffenFunktionierenWahrnehmenErwartungNeugierBewertungAkzeptanz

Sexualität wird zu einem Dialog der Körper – jenseits von richtig oder falsch.


4. Nähe ohne Ziel – Präsenz statt Technik

Eine der heilsamsten Erfahrungen ist Nähe ohne Ziel. Berührung, Blickkontakt, Atmen, Dasein.

Nicht um etwas zu erreichen, sondern um zu teilen, was gerade lebendig ist.

Oft entsteht gerade dann Tiefe, wenn nichts „passieren muss“.


5. Eine kleine Praxis für den Alltag

Achtsame Selbstzuwendung (3–5 Minuten)

  1. Setz oder leg Dich bequem hin.
  2. Lege eine Hand auf den Bauch oder das Herz.
  3. Spüre Deinen Atem.
  4. Nimm Körperempfindungen wahr – ohne etwas zu verändern.
  5. Sag innerlich:
    „Ich darf mich so erleben, wie ich jetzt bin.“

Diese Praxis stärkt die Verbindung zu Dir selbst – eine wichtige Grundlage für jede intime Begegnung.


6. Sexualität als Teil von Selbstfürsorge

Sexualität ist nicht getrennt vom übrigen Leben. Sie spiegelt oft wider, wie wir mit uns selbst umgehen:

  • Können wir spüren, was wir brauchen?
  • Erlauben wir uns Genuss?
  • Respektieren wir unsere Grenzen?

Achtsamkeit und Mitgefühl machen Sexualität zu einem Weg der Selbstfürsorge – nicht zu einer weiteren Baustelle.


Zum Schluss

Ich glaube, dass eine mit Achtsamkeit und Mitgefühl verbundene Sexualität leiser, ehrlicher und zugleich tiefer wird. Weniger Drama, mehr Wahrheit. Weniger Rollen, mehr Menschlichkeit.

Vielleicht ist genau das die Einladung unserer Zeit:
Sexualität nicht zu perfektionieren, sondern zu verkörpern.


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