Wenn zwei Drittel gestresst sind: Was der TK-Stressreport uns zeigt – und was wir klug daraus lernen können

Michael Breker • 29. November 2025

Aktueller Stand – Alarmzeichen laut TK

Laut dem TK-Stressreport 2025 geben 66 % der Menschen in Deutschland an, sich „häufig oder manchmal“ gestresst zu fühlen. Nur 8 % fühlen laut eigener Aussage gar keinen Stress. 26 % berichten, selten Stress zu empfinden. 

Bei vielen der Gestressten treten deutliche gesundheitliche Beschwerden auf: Muskelverspannungen und Rückenschmerzen, Erschöpfung, innere Unruhe, Schlafstörungen, Gereiztheit. 

Wichtigste Stressfaktoren: Sehr häufig sind hoher eigener Anspruch (61 %), berufliche Belastung durch Arbeit / Schule / Studium (58 %), und – überraschend für manche – politische und gesellschaftliche Probleme (53 %). Damit zeigt sich: Es ist nicht nur der Job – unser gesamtes Umfeld, unsere Unsicherheit und Zukunftsängste wirken mit. 

Diese Zahlen sind ein klares Signal: Stress ist nicht mehr Ausnahme, sondern traurige Normalität — auch und gerade im Arbeitsleben.

Warum Achtsamkeit und Mitgefühl jetzt wichtiger sind denn je

Als jemand, der Achtsamkeit und Mitgefühl lebt und lehrt, sehe ich im Ergebnis des Reports nicht nur eine Warnung — sondern eine Einladung. Eine Einladung, unser Verhältnis zu Arbeit und Mitmenschlichkeit neu zu gestalten. Hier, wie Achtsamkeit und mitfühlender Führungsstil helfen können:

Achtsamkeit als Ressource gegen Stress

Gegenwart statt Dauerbetrieb: Wer achtsam ist, kann aufmerksam wahrnehmen, wann Stress entsteht — und frühzeitig handeln. Dadurch entstehen Pausen, Reflexionsräume, echte Entschleunigung.

Bewusste Selbstfürsorge: Selbstmitgefühl und Selbstverständnis schützen davor, überzuziehen oder sich zu überfordern — was laut TK oft ein Hauptstressfaktor ist (eigener Anspruch).

Qualität statt Quantität: Achtsame Pausen, bewusste Atemzüge, kleine Rituale im Alltag helfen, Reaktionen – wie innere Unruhe oder Gereiztheit – zu vermeiden.

Mitgefühl als Führungs- und Gemeinschaftsstil

Wertschätzung statt Leistungsdruck: Wenn Führung oder Zusammenarbeit mit Menschlichkeit und Empathie gelenkt werden, sinkt das Gefühl, dass allein Performance zählt – ein starker Stresspuffer.

Verbindung statt Isolation: Viele Menschen fühlen sich allein mit ihren Sorgen. Mitgefühl im Team oder in Gemeinschaft schafft Verbundenheit — das kann Ängste und Unsicherheit mildern (z. B. bezüglich gesellschaftlicher Krisen, die laut TK belasten).

Sicherheit statt Überforderung: Ein mitfühlender Umgang erlaubt es, Grenzen zu zeigen, offen zu sein – das reduziert chronischen Leistungsdruck und verhindert Burnout, Müdigkeit und Erschöpfung.

Wie wir als Individuen und Gemeinschaft reagieren können — ein paar Impulse

Bewusste Pausen integrieren — kleine achtsame Stopps im Alltag: Atempausen, Spaziergänge, bewusste Auszeiten vom Bildschirm oder Nachrichtenkonsum.

Mitgefühl leben — für sich selbst und andere — Selbstmitgefühl erlaubt, eigene Grenzen zu achten; Mitgefühl mit anderen baut Räume der Sicherheit und Verbundenheit.

Kommunikation achtsam & menschlich gestalten — Offen über Stress reden, wahrnehmen, zuhören, empathisch reagieren.

Arbeits- und Lebensräume achtsam formen — Kultur schaffen, die Leistungsdruck nicht glorifiziert, sondern Menschsein wertschätzt.

Resilienz kultivieren — mit Routinen, die Körper und Seele nähren: Natur, Bewegung, echte Begegnung, bewusste Mediennutzung.

Ein Blick nach vorne: Welche Haltung wir brauchen – und wie sie wirkt

Der TK-Report macht deutlich: Stress ist allgegenwärtig — doch das muss nicht unser Schicksal sein. Mit Achtsamkeit und Mitgefühl können wir eine Gegenkultur schaffen: eine Kultur, in der Arbeit nicht zur Quelle dauerhafter Überforderung wird, sondern in der Menschsein zählt. In der Gesundheit, Verbindung und Klarheit wichtiger sind als endloser Output.

So wird Stress nicht ignoriert — aber er verliert seine destruktive Macht. Weil wir wieder verbinden. Mit uns selbst. Mit anderen. Mit dem Leben.
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Was ist Doom Scrolling? Der Begriff setzt sich aus doom (Untergang, Katastrophe) und scrolling (durch Inhalte wischen) zusammen. Gemeint ist das zwanghafte Konsumieren von schlechten Nachrichten im Internet oder in sozialen Medien. Statt uns zu informieren, geraten wir in eine Art Strudel: Wir suchen unbewusst nach immer neuen Meldungen, die unsere Ängste füttern. Das Gehirn reagiert dabei wie auf eine Bedrohung – wir bleiben in Alarmbereitschaft, angetrieben von der Hoffnung, „die entscheidende Information“ zu finden, die uns Sicherheit gibt. Was passiert im Gehirn? Amygdala: bewertet die negativen Schlagzeilen als Gefahr und aktiviert Stressreaktionen. Dopamin-System: jede neue Nachricht gibt einen kleinen „Kick“ – ähnlich wie bei Glücksspiel oder Zucker. Präfrontaler Kortex: unser rationaler Teil, der eigentlich stoppen könnte, ist durch den Stress geschwächt. So entsteht ein Teufelskreis aus Anspannung, Angst und Suchtverhalten. Die Folgen von Doom Scrolling Steigende Unruhe und Ängste Schlafprobleme, weil wir noch im Bett scrollen Gefühl der Ohnmacht und Überforderung Weniger Fokus auf positive, nährende Erfahrungen Achtsamkeit als Ausweg Die gute Nachricht: Wir können lernen, uns bewusst aus diesem Strudel zu befreien. Achtsamkeit hilft uns, innezuhalten und die automatische Bewegung des Scrollens zu bemerken. Kleine Praxis-Impulse: Atem-Pause: Lege das Handy bewusst weg, schließe die Augen und folge drei Atemzügen. Spüre, wie dein Körper sich beruhigt. Bewusstes Limit: Setze dir feste Zeiten für Nachrichten – z. B. zweimal am Tag 10 Minuten. Positive Nahrung: Frage dich: „Welche Inhalte nähren mich wirklich?“ Suche gezielt nach Texten, Podcasts oder Videos, die dir Kraft geben. Körper spüren: Wenn du merkst, dass du dich in der Endlosschleife verlierst: Stell die Füße auf den Boden, spüre deine Hände, nimm dich im Raum wahr. Zusammenfassung: Doom Scrolling ist ein sehr menschliches Muster – unser Gehirn sucht nach Sicherheit in unsicheren Zeiten. Doch je mehr wir uns von negativen Schlagzeilen fesseln lassen, desto unruhiger und ängstlicher werden wir. Mit Achtsamkeit können wir lernen, aus dem Strudel auszusteigen und unseren Blick wieder für das Wesentliche zu öffnen: das Leben, das genau jetzt stattfindet.
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