Die Krise als Chance erkennen und nutzen

Michael Breker • 26. August 2021

Die Resilienz stärken und die Krise als Chance für inneres Wachstum nutzen.


Bei allen Herausforderungen bietet die Corona- und Ukraine-Krise auch eine Chance, sich unmittelbar und konstruktiv auf unsere Gesundheit und unser Leben zu fokussieren. Als Gegenmittel gegen den Burnout-Prozess haben sich in den letzten Jahren Gesundheitskompetenz und Resilienz entwickelt. Resilienz heißt so viel wie Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen im Allgemeinen, Lebenskrisen, Krankheiten und generellen Belastungen. Sie ist nicht nur innere Stärke, sondern letztendlich die Fähigkeit, sich selbst zu führen und das eigene Leben gemäß den eigenen Fähigkeiten und Werten selbstverantwortlich zu gestalten.


Neben der individuellen persönlichen Resilienz kann man auch auf die Resilienz einer Organisation oder gar einer ganzen Gesellschaft, bis hin zur gesamten Menschheit schauen. Resilienz ist im Grunde eine psychosoziale Kompetenz, die auf der Fähigkeit basiert, sein eigenes Leben gestalten zu können. Es geht darum, wirksam auf unsere eigene Gesundheit und unsere Lebensführung Einfluss nehmen zu können.


Was kann ich konkret tun?

In Bezug auf Corona und das Geschehen in der Ukraine kann dies bedeuten, den Blick von der Angst, der Bedrohung, der Hilflosigkeit und Ohnmacht hinzulenken zur eigenen Hoffnung, zu Mut, zum Selbstvertrauen, zur eigenen Kraft, zu den eigenen Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die eigene körperliche und seelische Gesundheit: „Ich bin nicht nur ausgeliefert, sondern ich kann etwas tun!“

Es ist nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten, positive Erfahrungen von Lebensfreude, Lebenslust, Kreativität und Glück zu haben, auch um ein inneres Gleichgewicht immer wieder herzustellen gegenüber begründeten Ängsten und Unsicherheiten.


Genauso basiert unsere Resilienz auf unserer Fähigkeit, tragfähige und erfüllte Beziehungen zu entwickeln und zu pflegen. Während physischer Abstand in bestimmten Situationen sinnvoll ist, ist das „social distancing“ begrifflich gesehen katastrophal. Denn es kann gar nicht darum gehen, dass wir sozial miteinander in Distanz treten und damit andere Menschen für uns Fremde werden, Andersartige, Gefährliche. Es geht um Zusammenhalt und Integration und nicht um Distanz, auch im persönlichen Leben.


Social support als wesentlicher Faktor für Resilienz

Ein wesentlicher – vielleicht sogar der entscheidende Resilienzfaktor – ist „social support“, also mitmenschliche Unterstützung. Resilienz entsteht durch tragfähige, unterstützende, ehrliche und letztendlich liebevolle Beziehungen. Gelebte Liebe stärkt unser Immunsystem, trägt uns im Leben, in existenziellen Notsituationen, hilft uns Krisen zu überstehen, zu heilen und vielleicht sogar in Würde zu sterben. Dabei geht es sicher um mehr als um Kontakte und Austausch in sozialen Medien, sondern um die persönliche Begegnung von Menschen, die sich wertschätzen, achten und bereit sind zu unterstützen. Unsere Familie und unsere Eltern brauchen Unterstützung, wir brauchen unsere Freunde, um uns gegenseitig zu balancieren und zu regulieren, aber auch, um miteinander glücklich zu sein und das Leben zu feiern. Wir sind herausgefordert zu sozialer Verantwortung, aber auch zu sozialer Reife und dem Respekt gegenüber Menschen, die eine andere Meinung haben.


Geistige Kompetenz als Grundlage für Resilienz

Die vielleicht interessanteste Grundlage der Resilienz ist geistige Kompetenz. Dies bedeutet sowohl die Fähigkeit zur geistigen Klarheit als auch dazu, ein sinnvolles Leben führen zu können. Geistige Kompetenz muss entwickelt und geübt werden. Sie besteht nicht nur in der kognitiven Kompetenz logischen und rationalen Denkens, sondern bedeutet auch, im Sinne der Achtsamkeit oder der inneren Beobachtungsfähigkeit Informationen filtern zu können, sich von vorgefertigten Meinungen und Ideologien lösen zu können, andere Perspektiven und Blickwinkel einnehmen und damit auch Komplexität zulassen zu können. Geistige Kompetenz heißt also, sich gerade in den gegenwärtigen Bedingungen nicht polarisieren zu lassen und selbst auch nicht zu polarisieren in Befürworter oder Gegner, Machteliten oder Verschwörungstheoretiker, Angstmacher oder Verharmloser usw.


Grundfragen des Lebens

Und durch Todesbedrohung und Bewegungseinschränkungen entsteht natürlich auch die Herausforderung, innezuhalten und sich den Grundfragen des Lebens zu stellen:

  • Führe ich ein sinnvolles Leben?
  • Stehe ich hinter dem was ich tue?
  • Was sind meine tiefsten inneren Werte?
  • Was kann ich tun, um mit ihnen in Kontakt zu bleiben und sie in meinem Leben zu verwirklichen?
  • Habe ich einen spirituellen Bezug zu etwas Größerem, das mich überschreitet und mich trägt?
  • Wäre dies eine Zeit um Meditation, Achtsamkeit oder Stille zu lernen?


Sinn zu empfinden und im Leben auszudrücken, hat ein enormes gesundheitsförderliches Potenzial. Es bedeutet, für etwas tätig zu sein, das größer ist als ich und über mich hinausgeht, wie beispielsweise in religiöser, ökologischer, politischer Betätigung, oder für die eigene Familie oder die Nachbarschaft da zu sein. Und angesichts der Endlichkeit und Sterblichkeit des Lebens, auf das wir als Menschen in dieser Zeit aufmerksam gemacht werden, geht es sicher um mehr als um Corona-Resilienz:
Es bedeutet, Sterben als Teil des Lebens betrachten zu können und neben dem sicher notwendigen Kampf gegen vorzeitigen oder unnötigen Tod dem Sterben seine Würde zu geben und es in Mitmenschlichkeit und mit liebendem Herzen zu begleiten. Es bedeutet aber darüber hinaus auch, die Würde des Lebens zu vergegenwärtigen, für das Geschenk dieses Lebens dankbar zu sein und es zu lieben oder lieben zu lernen, wo es uns noch nicht gelingt.


Vielleicht möchte Du gern einen meiner Kurse besuchen. Schau doch mal hier.

 


Frau meditiert nachdenklich und findet keine Ruhe – Achtsamkeit und Meditation im Alltag in Köln
von Michael Breker 11. April 2026
Warum Meditation oft nicht sofort beruhigt und was dir wirklich hilft, im Alltag mehr Ruhe und Stabilität zu finden.
Achtsamkeit nach dem MBSR Kurs im Alltag leben
von Michael Breker 11. April 2026
Du hast einen MBSR-Kurs gemacht? Erfahre, wie du Achtsamkeit wirklich im Alltag hältst und nachhaltig dranbleibst – mit klaren Schritten.
Person sitzt ruhig in Meditation und lernt Achtsamkeit für mehr Ruhe im Alltag in Köln
von Michael Breker 11. April 2026
Achtsamkeit lernen in Köln: Finde mehr Ruhe, Klarheit und Gelassenheit im Alltag. Kurse, Meditation und persönliche Begleitung für deinen Einstieg.
von Michael Breker 11. April 2026
Warum kommt Stress immer wieder zurück? Erfahre, wie du ihn nachhaltig reduzierst und mehr Ruhe in deinen Alltag bringst – Schritt für Schritt.
Stiller Moment eines Menschen im Freien – ohne Lösung, ohne Kampf, ganz gegenwärtig.
von Michael Breker 5. Februar 2026
Wie Mitgefühl für sehr schwierige Menschen möglich ist – ohne Vergebungspflicht, ohne Selbstverrat und mit klaren inneren Grenzen.
Ruhiger Mensch im Licht eines Fensters – Sinnbild für Vertrauen, Verstehen, Verzeihen und inneres Lo
von Michael Breker 5. Februar 2026
Glück ist eine innere Haltung. Entdecke, wie Vertrauen, Verstehen, Verzeihen und Verzichten zu mehr innerer Ruhe und Lebensqualität führen.
Wenn das Leben stürmisch wird, zeigt sich, was uns wirklich trägt.
von Michael Breker 22. Januar 2026
Gleichmut trägt, Gelassenheit entspannt. Erfahre, warum beide wichtig sind – und wie Achtsamkeit dir hilft, beides zu kultivieren.
Achtsames Paar liegt entspannt nebeneinander, Augen geschlossen – Nähe, Verbundenheit und mitfühlend
von Michael Breker 1. Januar 2026
Sexualität achtsam und mitfühlend leben: Nähe, Präsenz und Verbundenheit jenseits von Leistung und Erwartungen entdecken.
von Michael Breker 29. November 2025
Der neue TK-Stressreport zeigt: Zwei Drittel der Menschen sind gestresst. Warum Achtsamkeit und Mitgefühl entscheidende Antworten auf diese Entwicklungen sind.
Führungssituation in ruhiger, achtsamer Atmosphäre
von Michael Breker 29. November 2025
Wie achtsame und mitfühlende Führung Teams stärkt und neue Formen der Zusammenarbeit ermöglicht.
Mehr Artikel