Es gibt Momente im Leben, in denen uns die Leichtigkeit abhandenkommt. Krankheit, Krisen, Verlust oder Überforderung lassen uns manchmal ratlos zurück. Dankbarkeit scheint in solchen Zeiten weit weg zu sein – fast wie ein Luxusgefühl, das wir uns nicht leisten können.
Und doch: Gerade dann kann Dankbarkeit zu einem stillen Anker werden. Nicht als Pflichtgefühl, sondern als eine zarte Praxis der Würdigung dessen, was trotz allem bleibt.
Wenn Dankbarkeit schwerfällt
Dankbarkeit ist kein Schönreden. Sie ist nicht der Versuch, Schmerz oder Trauer zu verdrängen. Vielmehr lädt sie uns ein, den Blick zu öffnen: neben dem Schweren auch das Kleine, Unscheinbare und Tragende wahrzunehmen.
Ein warmer Sonnenstrahl, das Lächeln eines Menschen, ein tiefer Atemzug – sie sind nicht die Lösung für das, was uns herausfordert, aber sie können Inseln der Kraft sein.
Würdigung statt Vergleich
Oft denken wir, Dankbarkeit müsse groß sein: das große Glück, die perfekte Beziehung, die erfüllte Karriere.
Doch wahre Dankbarkeit zeigt sich in der Würdigung. Sie sagt: „Ich sehe, was da ist. Ich erkenne den Wert auch im Kleinen.“
Es ist ein leises Nicken gegenüber dem Leben – selbst dann, wenn es uns gerade hart begegnet.
Praktische Übungen der Dankbarkeit
Das „Trotzdem“-Tagebuch
Abends drei Dinge notieren, für die ich trotz allem dankbar bin.
Würdigung im Augenblick
Einen Atemzug nehmen und etwas Kleines bewusst anerkennen – den Geschmack von Tee, den Klang eines Vogels, das Gefühl von Erde unter den Füßen.
Dankbarkeit an andere
Jemandem einen kurzen Gruß, eine Nachricht oder ein Lächeln schenken und ausdrücken: „Ich bin froh, dass es dich gibt.“
Dankbarkeit als innere Haltung
Dankbarkeit ist weniger ein Gefühl als eine Haltung. Sie verändert nicht das Außen, aber sie verändert, wie wir dem Außen begegnen.
In der Praxis der Würdigung erinnern wir uns daran: Auch im Dunkeln gibt es Licht. Auch im Schweren gibt es etwas, das trägt.
Dankbarkeit trotz allem ist kein Verdrängen – es ist ein stilles Ja zum Leben, so wie es ist.